Eine historische Postkarte mit „Mehrwert“

 

Vom 25. August 1921 stammt unser aktu­el­les „Expo­nat im Blick“. Es han­delt sich um eine his­to­ri­sche Ansichts­kar­te, die sich an die­sem Tag auf den Weg von Bre­cker­feld nach Arns­berg mach­te. Absen­der war die Christ­baum­schmuck­fa­brik Hedt­stück & Ber­ning­haus in Bre­cker­feld im Enne­pe-Ruhr-Kreis.

Christbaumschmuck aus dem Ruhrgebiet?

Schon seit 1822 wur­de in der Han­se­stadt Bre­cker­feld Christ­baum­schmuck gefer­tigt1, zunächst von der Fami­lie Wip­per­mann, wobei haupt­säch­lich Heim­ar­bei­ter zum Ein­satz kamen. 1893 über­nah­men die Part­ner Hedt­stück und Ber­ning­haus das Unter­neh­men und bau­ten 1897 ein neu­es Fabrik­ge­bäu­de.1

Ein prächtiges Anwesen

Das Motiv auf der Bild­sei­te der Post­kar­te, signiert mit „L. Grü­ne­wald, Elber­feld“, zeigt eine Ansicht des gesam­ten Fir­men­ge­län­des. Man erkennt das zwei­stö­cki­ge Haupt­ge­bäu­de mit einem ein­stö­cki­gen Anbau an der Frank­fur­ter Stra­ße 105 und das dane­ben­lie­gen­de reprä­sen­ta­ti­ve Wohn­haus in einem park­ähn­li­chen Umfeld. Die Anla­ge war, Zitat: „…eine für Bre­cker­feld in ihrer Grö­ße beacht­li­che Fabrik, die durch beson­de­re Form und Gestalt her­aus­ragt.“ 2.

 

Rauchende Schlote und Leipziger Messe

Die rau­chen­den Schorn­stei­ne der Fabrik und das gera­de von der Haupt­stra­ße abbie­gen­de Pfer­de­fuhr­werk waren als dezen­ter Hin­weis auf die wirt­schaft­li­che Stär­ke und gute Auf­trags­la­ge des Unter­neh­mens zu ver­ste­hen.

Unter der Abbil­dung weist ein Stem­pel­ab­druck auf die Teil­nah­me der Fir­ma an der „Leip­zi­ger Mes­se“ hin, die als damals wich­tigs­ter Dreh- und Angel­punkt für natio­na­le und inter­na­tio­na­le Geschäfts­be­zie­hun­gen fun­gier­te.

 

Kerzenhalter mit „Reichspatent“

Die Pro­dukt­pa­let­te umfass­te unter ande­rem Christ­baum­schmuck aus Lamet­ta, Draht, Blech oder gepress­ter Wat­te. Eine eige­ne Ent­wick­lung waren die mit dem „Deut­schen Reichs­pa­tent“ (DRP) geschütz­ten Ker­zen­hal­ter mit ver­stell­ba­rem Kugel­ge­lenk. Mit ihrer Hil­fe konn­te die „Schief­la­ge“ der Ker­zen am Weih­nachts­baum kor­ri­giert und das läs­ti­ge und gefähr­li­che Abtrop­fen von Wachs ver­hin­dert wer­den. Auf der Adress­sei­te der Post­kar­te fin­det sich eine klei­ne Wer­bung dazu.

 

„Detektiv Zufall“

Für die „Samm­lung Weih­nach­ten“ war die­se Post­kar­te ein Glücks­fall und wert­vol­ler Fund, weil erst durch sie die Zuord­nung und Datie­rung genau die­ser spe­zi­el­len Ker­zen­hal­ter ermög­licht wur­de! Und die ori­gi­nal erhal­te­ne Wachs-Pati­na in den Auf­fang­scha­len der Klem­men beweist zudem, dass die­ser Arti­kel tat­säch­lich hielt, was die Wer­bung einst ver­spro­chen hat­te…

Quel­len:

  1. West­fa­len­post vom 15.05.2013, URL https://www.wp.de/staedte/hagen/article7954227/ein-schmuckstueck-der-industriegeschichte.html, zuletzt abge­ru­fen am 12.11.2025
  2. Kreis­hei­mat­bund Enne­pe-Ruhr-Kreis e.V. (Hrsg.), Brux, Ulri­ke: Denk­mä­ler im Enne­pe-Ruhr-Kreis, Asso­ver­lag, Ober­hau­sen, 2008, zitiert nach (1)